Das Ruhrgebiet ist stolz auf seine Halden

Was meint ihr, kann das Ruhrgebiet stolz sein auf seine Halden? Ich finde ja, denn sie werden uns noch in vielen Jahren zeigen, daß es einmal Bergbau gab, auch wenn 2018 die letzte Zeche geschlossen wird. Ich glaube, daß in den Halden noch Potential steckt, denn wenn ich am Niederrhein von meinen Ausflügen auf eine Halde erzähle, ernte ich häufig ungläubige Blicke. Da, wo es im Allgemeinen recht flach ist, kann man sich gar nicht vorstellen, daß man auf einem Berg aus Bergematerial herumlaufen kann. Klar ist der Anstieg, je nach Halde, schon mal etwas anstrengend, dafür ist der Ausblick vom höchsten Punkt meist einmalig schön.

Schon ziemlich oft habe ich an dieser Stelle über die eine oder andere Halde berichtet, gerade vor kurzem z.B. über die Halde Schurenbach, die ich nach ein paar Jahren mal wieder besucht habe. Sie liegt übrigens nur unweit der Emscher und läßt sich z.B. mit einem Tag im Emscherlandschaftspark verbinden. Halden sind super Ausflugsziele zu allen Jahreszeiten und gerade im Winter geht die Sicht bei klarer Luft manchmal 50km weit. Während die Frühlingsblüher ihre Blüten öffnen, nehme ich euch nochmal mit auf ein paar Ausflüge der letzten Wochen.

Mit dabei die Halde Norddeutschland (Neukirchen Vluyn), die Knappenhalde (Oberhausen, gegenüber vom Centro), die Heinrich-Hildebrand-Höhe (begehbare Achterbahn im Duisburger Angerpark) und die Halde Haniel (Stadtgrenze Oberhausen/Bottrop). Die Himmelsleiter an der Halde Norddeutschland wird bekanntlich gerne von Sportlern genutzt, die dort auf und ab joggen, während ich nach Luft schnappend auf der ersten Hälfte pausieren muß. Es dürfte irgendwann Mitte Januar gewesen sein, wenige Grad über Null, als mir der erste Sportler in kurzer Hose und T-Shirt über den Weg lief. Ich kam mir mit Jacke, Schal und Mütze vorübergehend etwas overdressed vor 😉 .

Ein paar Tage später wurde ich auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe, auf dem Weg zur Achterbahn „Tiger & Turtle“, von der Feuerwehr überholt. Die Halde die keine Bergehalde, sondern eine ehemalige Schlackenhalde der Metallhütte Duisburg ist, ist nun nicht unbedingt für riesige Fahrzeuge geeignet. Ich trat zur Sicherheit kurz neben den Weg, als das Löschfahrzeug an mir vorbeifuhr und nahm dann den diagonalen Weg nach oben, so daß ich fast zeitgleich mit der Feuerwehr oben ankam. Kein Unfall, kein Feuer, nein auf dem Zufahrtsweg hatte jemand Öl o.ä. verloren. Aufgabe der Feuerwehr war es, den Ölfleck abzustreuen. Was sie auch tat, um sich dann umgehend wieder auf den Weg zu machen.

Am letzten Samstag habe ich zwei Dinge elegant miteinander verbunden. Zum einen war an der ehemaligen Zeche Lohberg in Dinslaken StreetFodd Festival und zum anderen wollte ich nach drei Jahren Pause mal sehen, was sich am umliegenden Bergpark und auf dem Zechengelände getan hat. Die Spielplätze sind fertig, verschiedene Gebäude sind abgerissen, der Förderturm steht etwas einsam mitten drin, während drumherum noch vereinzelt Werksgebäude stehen, die in Abriß oder Umbau begriffen sind.

Am ehemaligen Werkstor hatte das Atelier „freiart“ leere Tassen an den Zaun gebunden und sein Projekt „Noch alle Tassen am Zaun“ genannt 🙂 . Vor drei Jahren war das Gelände noch gesperrt, nun aber standen die StreetFood Macher hier und ich habe einen PulledTurkey Burger, eine Empanada sowie ein Möhrentörtchen verspeist. Um mir die Leckereien zu „erarbeiten“, bin ich vorher von der Birkhahnstraße in Oberhausen aus auf die Halde Haniel gewandert. Schön sollte es an diesem Samstag werden und trocken, nur der blaue Himmel ließ auf sich warten.

Dafür kam die Farbe weiter oben an den Totems wieder zur Geltung. Kein Wunder, schließlich sind die Totems 2016 gerade wieder auf Vordermann gebracht worden. Kleinere Reparaturen und vor allen Dingen einen neuen Anstrich haben sie bekommen. Mit 159 m Höhe (184,9 m über Normalnull) ist die Halde Haniel übrigens eine der höchsten Halden des Ruhrgebiets und im Norden kann man die Entstehung der Halde Schöttelheide beobachten, die sich meines Wissens z.Zt. noch in Schüttung befindet.

Zum Schluß noch die Knappenhalde in Oberhausen. Diese Halde ist nicht eine der schönsten, leider mehr Ausflugsziel für Hundehalter und Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner, aber immerhin mit einem kleinen Aussichtsturm. Wer mal den Gasometer und das Centro von weitem sehen möchte ist hier richtig. Na, Lust bekommen, dann seid ihr jetzt an der Reihe, die Wanderschuhe an und los. Mehr Fotos wieder bei Flickr und GooglePhotos.

Nachtrag: Wie wäre es mit einem SunsetPicknick oder Street Food auf der Halde? Hier geht’s zu einer aktuellen Pressemitteilung zum Start der Freiluftsaison 2017.

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2 Kommentare

  1. Das Ruhrgebiet kann auf jeden Fall stolz sein auf seine Halden! Es bietet sich ja nicht nur ein atemberaubender Ausblick – häufig gibt es auch faszinierende Kunstwerke (wie Tiger und Turtle), die super Fotomotive darstellen. Und ich liebe es, wenn kreative Orte an alten Industriestätten entstehen, wie Street Food Festivals oder sich dort junge Unternehmen ansiedeln. So eine Haldentour möchte ich auf jeden Fall auch mal machen!

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