Emscherkunst 2016 (Teil 1)

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Mit der Kunst ist das ja so eine Sache. Manche interessieren sich dafür, andere haben gar kein Verständnis. Einer ohne Verständnis war es wohl, der letzte Woche fragte „Was soll denn der Scheiß“? Dabei war die Frage durchaus nah am Thema, denn die Kunstwerke entlang der Emscher sind ja Kunstwerke an und in einem Abwasserkanal, in dem auch … na ja ihr wißt schon was schwimmt. Das besagte Kunstwerk besteht aus drei (leider schon wieder beschädigten😮 ) Fernglas ähnlichen Gestellen, durch die man einen „Rückblick“, einen „Seitenblick“ und einen „Ausblick“ auf den Emscherumbau tätigen kann. Sprich wie war es früher, wie ist es heute und was bringt die Zukunft. Dazu erzählt eine lautstarke Stimme aus dem Lautsprecher, was alles in der Emscher schwimmt. Brom, Kadmium, Blei, Arsen … das ganze Programm eben. Diese Stimme war deutlich vernehmbar und der o.g. Herr Nachbar war wohl davon genervt.

Emscherkunst

Bis wann denn diese Sch**ße gehen würde, wollte er von den Museumsangestellten wissen und erwartete wohl eine Antwort wie „bis nächste Woche“. Nun war das Museum („Museum für Strom und Leben“) gar nicht zuständig, gab aber trotzdem bereitwillig Antwort und erklärte „bis 18. September“ (wir hatten den 11. Juni😉 ). Das brachte den Herrn Nachbarn dann doch etwas aus der Fassung, was er im schönsten ruhrgebietsdeutsch kundtat🙂. Damit wäre ich schon mitten im Thema „Emscherkunst“, die ich letzte Woche besucht habe.

[Update:] Wie ich hörte konnte der Herr Nachbar mittlerweile beruhigt werden und die Fernrohre gehören nicht unmittelbar zu diesem Kunstwerk (Lautsprecher), geben aber trotzdem einen Rück-, einen Seiten- und einen Ausblick😀

Jetzt aber von vorne, was ist überhaupt Emscherkunst? Im Blogbeitrag vom Februar hatte ich euch bereits mit dem Thema vertraut gemacht und auch der Bericht über die Emscherperlen (die nicht zur Emscherkunst gehören, aber eng mit dem Thema „Emscherumbau“ verbunden sind) sollte euch das Jahrhundertprojekt erklären. Nun gibt es, wie alle drei Jahre seit 2010, wieder 100 Tage in denen Kunstwerke entlang der Emscher stehen und Touristen wie Kunstfreunde anlocken soll.

Besetzt

Nebenbei, wenn man an der Emscher steht riecht es nicht so, als hätte der Bauer gerade wieder die Gülle ausgekippt, sondern mehr so, als hätte man Grünzeug für 3 Tage ins Wasser gekippt und gähren lassen. Mein Gähr … pardon Besuchsprozess startete in Recklinghausen am Museum für Strom und Leben, welches früher mal ein Umspannwerk war und unter dem Namen auch leicht zu finden ist. Bevor es losging habe ich die Möglichkeit genutzt, mir auch noch ein paar TOI TOI-Häuschen (landläufig auch Dixi Klos genannt) anzugucken. Die stehen nämlich auf dem Hof des Museums und können (zu den Öffnungszeiten) kostenlos betrachtet werden. Die Ausstellung heißt „Besetzt“ (ich habe 2010 schon mal darüber berichtet, wollte den Genuß aber nochmal wiederholen😉 ) und erzählt dem Betrachter etwas über die Sanitärkultur und den Weg des (Ab)-Wassers. Die Toilettenhäuschen widmen sich den Themen: Klo-Geschichte, Film-Klo, Kunst-Klo, Sex-Klo, Klo-Technik oder Klo-Papier. Das Eintreten ist daher ausdrücklich erwünscht, von der Benutzung jedoch wird dringendst abgeraten! Ach ja und ein Häuschen ist „besetzt“, was wortreich verkündet wird, wenn ihr versucht die Türe zu öffnen🙂.

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Gleich dahinter geht es dann zum ersten Ausstellungsort der Emscherkunst, die Geschichte mit dem Lautsprecher und Herrn Nachbar. Ein Weg hinüber zur Straßenbrücke gibt den Blick auf den nächsten Ausstellungsort frei, den Springbrunnen in der Emscher. Hier begrüßte mich eine nette Dame der Emscherkunst und erläuterte mir das Kunstwerk. Waste Water Fountain als eine Art dauernder Wassererneuerung oder auch die Emscher als Darm, aus dem immer wieder neues heraussprudelt🙂. Ähm … ja. Um die Ecke liegt der Recklinghäuser Stadthafen mit Strandbar und Anlegesteg für Ausflugsboote entlang des Rhein Herne Kanals. Und läuft man diesen Kanal etwa 500 Meter entlang trifft man auf einen alten Faulturm, der bereits bei der ersten Emscherkunst dabei war. Der Turm zeigt, mit einem herzlichen „Glück auf“, Bilder der Bergbaugeschichte und erst bei genauer Betrachtung fällt auf, daß die Bilder aus zig tausend kleinen Mosaiksteinchen bestehen.

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Das bekommt man vor Ort auch durch Herbert Knebel lebhaft erzählt. Nein nicht, weil der in seine Höchstpersönlichkeit den ganz Tag da steht, sondern wenn man die passende (kostenlose) Telefonnummer anruft, denn diese Stelle wurde gleichzeitig genutzt, um mit den bereits erwähnten Emscherperlen den Emscherumbau zu erklären. Psssst … die 0800’er Nummern (0800 367243701-709) könnt ihr auch mal von zu Hause aus anrufen … aber dat habt’er nicht von mir😉. Mittlerweile lief die Uhr unerbittlich gegen mein möglichst viel sehen Emscherkunstvorhaben an, also weiter ans Herner Meer. Dort steht eine mehr als zwanzig Meter hohe Stahlskulptur im Wasser, als hätte man Becher zu einem Turm gestapelt und würde darauf warten, daß dieser beim nächsten Windstoß wieder zusammenfällt.

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Da ich von der falschen Seite angefahren bin, gibt’s hier nur ein Foto und schon geht’s weiter zum dritten Kunstort. Aber darüber erzähle ich euch morgen mehr. Wer noch mehr Bilder sehen möchte kann entweder bei Flickr oder Google Photos gucken oder für eine Suche nach älteren Emscherkunst Aufnahmen bei Flickr mal hier klicken (oder auf den o.g. Blogbeitrag vom Februar).

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