Düsseldorf Nordpark

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Da stehe ich letztes Wochenende am Fenster, blicke nach draußen und kann mich genauso wenig entscheiden wie das Wetter. Dicke Wolke, dann wieder Sonne, dann wieder dunkel und kurz darauf wieder hell. Jetzt ein bisschen Frühling, das wäre schön. Selbst mein Balkon sieht noch ziemlich winterlich aus. Wenn das schon mit dem Frühlingswetter nicht klappt, dann doch vielleicht mit ein bisschen Farbe.

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Diesen Wunsch äußerte ich unbedacht ohne zu ahnen, daß es letzte Woche sogar wieder schneite und wir gefühlt in den Winter zurückfielen. Sonntag startet bereits der Monat Mai, aber gefühlt ist es kälter als im Dezember. So kam ich am letzten Samstag auf die spontane Idee, die mir bereits im März im Kopf herumspukte. Ein Besuch im Düsseldorfer Nordpark. Während im März da noch nichts blühte außer ein paar Krokusse, müßten doch die ersten Tulpen Farbe bekennen. Und so war es. Die Tulpen blühten mit den Kirschbäumen um die Wette.

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Der Nordpark liegt auf der Rückseite der Düsseldorfer Messe, gleich neben dem, zur Zeit noch geschlossenen, Aquazoo. Nachdem der Parkautomat aus mir nicht erfindlichen Gründen kein Geld annahm, durfte ich sogar kostenlos parken (sonst 50 ct. je 30 Min). Nach wie vor zogen Wolken auf und wieder ab, kam die Sonne und verschwand wieder, aber bevor es so richtig naß wurde, durfte ich gut 1 1/2 Stunden die Frühlingsfarben genießen. Schaut doch auch mal vorbei, Nordpark – Kaiserswerther Str. oder laßt euch hier bei Flickr oder Google Photos von der Blütenpracht überzeugen. Jetzt wird es endlich Frühling … also morgen … jedenfalls bald:-) .

Wolkenformationen

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Seid ehrlich, ihr habt als Kind im Sommer auch auf der Wiese gelegen, die Wolken beobachtet und euch vorgestellt, ob die dicke Wolke da links nicht vielleicht ein Hund sein kann. Oder die große da rechts, die sieht doch aus wie Fuchur der Drache aus der unendlichen Geschichte:-). Stunden konnte man so zubringen, weil einen der Ernst des Lebens noch nicht erfaßt hatte. Und heute? Auch heute könnte ich manchmal einfach nur so dasitzen und den Wolken bei Vorbeiziehen zusehen. Manchmal denke ich darüber nach, ob uns evt. die Fantasie abhanden gekommen ist.

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Kennt ihr heute noch Kinder, die sich in aller Seelenruhe die Wolkenformationen angucken? Am letzten Sonntag sollte es ja angeblich ziemlich feucht und gewittrig werden und wie ich dem allwissenden Internet entnehmen konnte, gab es auch hier und da ein paar dunkle Wolken, aber ansonsten war es wider erwarten doch recht schön hier westlich des Rheins. Also habe ich meine nächste Halde, die Halde Norddeutschland, besucht. Nur 15 Minuten mit dem Auto und schon ging es wieder mal die 359 Stufen hoch, um 52 Höhennmeter zu überwinden und dann in die Ferne zu gucken. Auf Grund dessen, daß es wohl am frühen Morgen geregnet hatte (da lag ich vermutlich noch im Bett😉 ), war die Luft sauber und die Sicht gut.

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Ich bin jedes Mal aufs neue gespannt, was ich da in der Ferne entdecken kann und weil Neukirchen Vluyn nicht nur ein komisch geschriebener Ortsname sondern auch ein sehr weit westlicher Posten des Ruhrgebiets ist, geht der Blick vom Niederrhein bis nach Oberhausen (das Gasometer ist gut zu erkennen). Aber auch ins Rheinland geht der Blick, Düsseldorf mit seinem prägnanten Fernsehturm ist ebenso zu erkennen wie die Schornsteine des Kohlekraftwerks in Neurath (bei Grevenbroich), anderen besser bekannt als Kraftwerk, welches zum Braunkohleabbaugebiet Garzweiler gehört. Unterdessen schob sich eine dicke Wolke vor die Sonne und tauchte die Halde in einen Schatten, um sie kurze Zeit später wieder für die Sonnenstrahlen freizugeben.

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Ich liebe dieses Wolkenspiel und habe, obwohl ich ja nicht zum ersten Mal auf dieser Halde war, immer wieder begeistert auf den Auslöser meiner Kamera gedrückt. Vermutlich hätte ich noch siebendrölfzigtausend weitere Fotos geschossen, wenn, ja wenn man nicht so einen weiten Blick gehabt hätte. Grob geschätzt 10 km nödlich konnte man an den ausgefransten Wolken nämlich sehen, daß es dort schon regnete. Die Wolken kamen schnell näher und zogen ostwärts in Richtung Ruhrgebiet. Da ich mich um 15.00 Uhr noch zu einem anderen Termin verabredet hatte, trat ich sicherheitshalber den (noch) trocken Rückzug an.

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Aber nicht ohne mich nochmal umzudrehen und zu gucken, ob nicht vielleicht doch eine der großen Wolken Fuchur war:-) . Wenn ihr Fuchur und die anderen Wolken sehen wollt, schaut gerne rein bei Flickr oder Google Photos, da gibt’s noch ein paar weitere Fotos vom letzten Sonntag.

Geh’ma anne Bude (Tag der Trinkhalle)

TagderTrinkhalleWieder mal große Leere im Kopf und beim Einkauf die Hälfte vergessen? Wieder mal großen Durst und nichts mehr im Haus? Keine Lust mit dem Auto noch raus zum Supermarkt zu fahren? Da gibt’s nur eins, ab anne Bude. Rückblende, wir schreiben das Jahr 1974. Damals war die Sicht auf die große weite Welt noch ganz klein. Damals schien im Sommer noch die Sonne und im Winter schneite es. Damals war ich so um die 10 Jahre alt und wenn ich Spiel, Spaß und etwas Süßes brauchte, dann wurden die Einkäufe anner Bude erledigt. Mal ein Comic, mal ein Eis, für Papa ein paar Zigaretten, Sammelbildchen für die Fußball WM und natürlich ein paar Bonbons, einzeln abgezählt😉 . Wenn Opa mal wieder 50 Pfennige spendierte, dann reichte das locker für ein kleines Milcheis (30 Pf.), zweimal Mausespeck (10 Pf.) und 10 Brausebonbons (10 Pf.). Eines Sommertages, wir waren gerade aus dem Urlaub heimgekehrt, spielten wir die Restaurantbesuche unseres Urlaubsortes nach. Wir kochten das Essen und Opa war mal wieder unser Gast.

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Seine Wahl aus unserer ausgiebigen Speisekarte fiel auf ein 1/2 Hähnchen und Pommes frites. Das Hähnchen war natürlich irgendein Weingummitier und die Pommes frites aus Puffreis. Während die Küche sich also an die Arbeit machte, flitze der Koch (also ich) anne Bude, das Material besorgen. Opa hätte natürlich auch Sauerbraten mit Klösen oder sonst was bestellen können, der Einkauf anne Bude wäre vermutlich der selbe geblieben😉 . Nach ein paar Minuten kehrte der Koch heim, hatte 20 Pf. vorgestreckt und präsentierte Opa das Essen. Natürlich mußte er das Menü jetzt essen, schließlich hatten wir nur hochwertige Ware gekauft und als Opa die Rechnung verlangte kostete ihn das 50 Pf.

preistafel_70er_50%Na habt ihr mitgerechnet? Genau ein Reingewinn von 30 Pf. und der wurde kurz darauf wieder in Eßpapier o.ä. umgesetzt. Eßpapier war beliebt, denn der Bogen kostete nur 1-2 Pf. und da kam man mit 30 Pf. schon recht weit:-) . Später wurden dann auch Comics anne Bude gekauft (1,- DM), am Braunen Bär geleckt (50 Pf.), der etwas teurere Erdbeerbecher (80 Pf.) oder wahlweise auch der Cappuccinobecher (1,20 DM) anne Bude verkasematuckelt. Verkasematuckelt? Also vertilgt, vernascht, verdrückt, gegessen, ihr wißt schon. Die Bude war eben die große weite Welt, an der wir manchmal sogar barfuß standen. Heute ist die Bude (Trinkhalle, Büdchen, Kiosk, Wasserhäuschen) anne Ecke für viele immer noch der Anlaufpunkt Nr. 1, weil eben nicht nur verkauft sondern auch geklönt (also gequatscht, geredet) wird. Ich, das muß ich leider zugeben, war in den letzen Jahren kaum noch anne Bude, habe aber meine Trinkhallen von damals nochmal aufgesucht. Aus der einen ist mittlerweile ein Dönerladen geworden aber die andere verkauft noch immer Getränke, Eis, Zigaretten und Bonbons in der bunten Tüte. Für die Tüte unten habe ich übrigens 2,- € bezahlt.

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Warum ich euch das erzähle? Weil am 20. August 2016 das Büdchen seinen Festtag hat. Das Ruhrgebiet feiert den „Tag der Trinkhalle“ mit Live Musik, Lesungen, Comedy und vielem mehr. Insgesamt 50 Buden werden ausgeguckt und entsprechend für die Feierlichkeiten ausgerüstet, der Rest feiert einfach so mit. Vielleicht schaut ihr auch mal wieder anne Bude eurer Kindheit vorbei und vielleicht sieht man sich dabei. Der Inhaber „meiner“ Kindheitsbude, hatte übrigens vom „Tag der Trinkhalle“ noch nichts gehört😮 .

Kettwig – Auch das ist Ruhrgebiet

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Was macht man denn so, wenn man einen sonnigen Samstag vor sich hat? Man könnte in eine Großstadt fahren oder in eine Stadt mit dörflichem Charakter oder man fährt ans Wasser. Und wenn man alles zusammen will? Nein, das wären ja gleich drei Dinge auf einmal, das geht nun wirklich nicht. Doch, geht wohl😉 . Und das sogar mitten im Ruhrgebiet. Die Reise geht nämlich nach Essen Kettwig. Essen ist eine Großstadt und war 2010 Kulturhauptstadt. Essen kann aber auch ganz klein und beschaulich. Und … (Trommelwirbel) Essen Kettwig liegt an der Ruhr.

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Ich wähle als Ziel den Promenadenweg und weil der bereits zugeparkt ist die Bachstraße. Hier stelle ich das Auto ab und bin in wenigen Minuten an der Ruhr. Der erste Blick geht nach einigen 100 Metern von der Brücke auf die Altstadt und fast jeder der zum ersten (oder zweiten) Mal hier ist, zückt den Fotoapparat. Der Kirchturm am Martin-Luther-Platz überragt die Altstadt und auch ein paar Meter weiter unten auf dem Weg stehen die Fotografen, denn der Kirschbaum im Vordergrund gibt dem Bild die richtige Farbe. Ich gehe zunächst ein paar Schritte durch die Altstadt, Tuchmacherplatz, Kirchtreppe und hoch bis zur Hauptstraße an der die Menschen in Cafés sitzen.

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Da Kettwig in der Einflugschneise zum Düsseldorfer Flughafen liegt, schwebt ab und zu ein Flieger über mich hinweg und als ich an der Kirchtreppe stehe, schwebt sogar das größte in Serienfertigung produzierte zivile Verkehrsflugzeug der A380 der Emirates Airline über mich hinweg. Da heißt es Kamera hoch und Serie schießen😀 . Ein weiteres Fotomotiv ergibt sich am Hexenbergweg/Ruhrstraße, wo ich auf dem Rückweg vorbei komme. Dort steht das Haus der Jakobusvikarie, erbaut 1525. Später wurde das Gebäude Küsterhaus und blieb bis 1839 Gemeindeschule. Heute steht vor dem Haus ein wunderschöner Magnolienbaum, der gerade in voller Blüte stand (Punktlandung würde ich sagen😉 ).

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Da das Wetter so schön ist, entschließe ich mich im Anschluß noch etwas über den Leinepfad entlang der Ruhr zu laufen. Hier geht der Weg theoretisch bis nach Mülheim/Ruhr. Radfahrer, Skater, Spaziergänger und Fotografen teilen sich den Weg so gut es geht. Ich laufe und laufe und … bis die Mintarder Ruhrtalbrücke in Sicht kommt. 65 Meter hoch, 1830 Meter lang quert hier die Autobahn A52 von Düsseldorf nach Essen das Ruhrtal. Wie oft bin ich schon da oben langgefahren?

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Die Brücke ist fast so alt wie ich😮 , also noch ein paar Fotos von dem Oldie bevor es langsam zurück in Richtung Kettwig geht. Hat’s euch gefallen? Und wollt ihr noch ein paar Fotos? Dann hier entlang zu Flickr und Google Photos.

P.S.: Die Strecke zwischen Essen Kettwig und Mülheim Wasserbahnhof könnt ihr übrigens auch mit der „Weißen Flotte“ befahren.

Freilichtmuseum und Jahrmarkt

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Samstag Morgen, die Sonne kämpft sich gerade durch die Wolken, als ich bereits im Auto sitze. Ziel ist heute Kommern. Kommern? Mein Navigationsgerät versucht die Straße zu finden, tut sich aber schwer. Kleine Recherche, ach so Mechernich muß ich eingeben, dann klappts auch mit der Strecke. Es ist kurz nach 9.15 Uhr als ich aufbreche. Mein Weg führt mich etwas westlich von Köln in die Eifel. Das Freilichtmuseum Kommern läd jedes Jahr nach Ostern für eine Woche zum „Jahrmarkt anno dazumal“. Der Parkplatz füllt sich bereits, als ich gegen 10.30 Uhr ankomme. 2,50 € für’s Parken, das ist zivil und auch der Museumseintritt in Höhe von 7,50 €/Erw. ist im normalen Bereich, wenn man bedenkt, daß Kinder unter 18 Jahren nichts (extra) zahlen.

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Gut Kinder hatte ich jetzt keine dabei, aber meine Kamera, ein paar Getränke und was man sonst so braucht, wenn man am Ende einen Blogbericht schreiben will. Vom Parkplatz geht es für etwa 300 Meter steil bergan bis zum Eingang. Hinter der Kasse ist es kurz etwas wuselig, Blumenstände preisen ihre Frühlingsware an, ein kopfsteingepflasterter Weg geht noch einmal weniger Meter bergan und dann bin ich bereits zwischen den ersten Museumshäusern. Das Freilichtmuseum zeigt Originalhäuser aus dem Westerwald, der Eifel (z.Zt. im Umbau), vom Niederrhein, dem Bergischen Land und z.Zt. in Entstehung aus dem Rheinland. Ein Geländeplan leitet den Besucher über einen von drei Rundwegen die eine Länge zw. 1,2 km und 2,5 km haben. Alles relativ gut zu bewältigen, wenn man den ersten Anstieg vom Parkplatz gut überstanden hat😉.

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Dazwischen liegen, fast mitten im Wald, zwei Windmühlen und das Waldhaus als Infopunkt zum Nationalpark Eifel. Wer die Museumshäuser betritt, kann sich in das damalige Leben der Menschen zurückversetzen lassen. An der Feuerstelle hängen die Töpfe, mal riecht es nach Rauch, mal stehen Pferde in Ihren Stallungen, die früher gleich an den Wohnbereich angeschlossen waren. Aus der Ferne erklingt Musik. Mein Weg führt mich zunächst in Richtung Markt-/Museumsplatz.

Als ich um die Ecke biege fällt mir als erstes ein Kettenkarusell auf. Weiter hinten stehen eine alte Raupe und die obligatorische Geisterbahn. Durch die Budengasse zieht ein Duft von Flammkuchen und Käse. Heute ist „Jahrmarkt anno dazumal“. Nein ein Kirmesgänger bin ich eigentlich nicht, aber ich bin ja auch nicht wegen der Fahrgeschäfte hier. Neben den „Altertümchen“ macht ein Ausrufer Werbung für seine Show.

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Messerwerfer, Kasperle, Variete. Interesse weckt jedoch ein anderes Schild bei mir. „Heute Hinrichtung“ steht darauf. Ein geneigter Besucher wird hier ab 13.00 Uhr um einen Kopf kürzer gemacht😮 . Die Darbietung findet in einem kleinen Zelt statt und kostet 2,- € Eintritt, aber wer läßt sich schon eine Hinrichtung für 2,- € entgehen😉. Der WDR dreht für die Lokalzeit, eine mutige Zuschauerin ist gefunden, die Guillotine scheint geschärft, dann kann es ja losgehen. Das Publikum wird noch kurz gewarnt nicht auf den Boden zu spucken, auch nicht wenn einem übel werden sollte😀. Dann geht alles ganz schnell, das Fallbeil fällt, der Kopf ist ab. Als Beweis wird er anschließend rumgereicht … na gut, ein Trick ist wohl dabei, denn die mutige Zuschauerin kann am Ende wiederbelebt werden😉.

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Nach so viel Action brauche ich erstmal Entspannung. Das Freilichtmuseum liegt mitten in einem Waldstück, so daß die Verbindungswege von einem Abschnitt zum nächsten gemütlich entlang spaziert werden können. Selbst die Musik des Jahrmarktes ist nach wenigen 100 Metern schon nicht mehr zu hören. Solltet ihr mit fahrbaren Untersätzen (Boller- oder Kinderwagen) unterwegs sein beachtet, daß einige Wege mit Kopfsteinpflaster gepflastert sind. Mehr Informationen gibt es hier und vielleicht habt ihr Glück und es fährt sogar der Planwagen. Mir stehen die Füße langsam quer, Zeit für den Weg nach Hause.

Haus Scheppen am Baldeneysee

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Was hat einen Motor, wird gerne am Wochenende ausgeführt und fühlt sich am Wasser zu Hause? Wie Motorboot, wie seid ihr denn drauf? Gemeint ist ein Motorrad an Haus Scheppen😉 ? Aber wartet, ich fange mal vorne an. Wenn ich das Wort „scheppen“ höre, denke ich als gebürtiger Ruhrgebietler umgangssprachlich ja erstmal an „schaufeln“, „schippen“ (z.B. Sand oder Kohle) oder „aufscheppen“ im Sinne von Teller füllen. Das Haus Scheppen hat damit natürlich nichts zu tun, denn hier geht es um einen ehemals adligen Lehnshof der Abtei Werden im Essener Stadtteil Fischlaken. Erster Lehnsherr war 1344 ein gewisser Gillburg von Scheppen. Heute ist hier nur noch eine Teilruine mit rechteckigem Grundriss, die von Wassergräben umgeben ist.

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Und was hat das jetzt mit Motorrad zu tun? Das ist so, vor der Ruine ist ein mehr oder weniger großer Parkplatz (fürs Navi Hardenbergufer 389) und dort ist der berühmte Motorradtreff von dem ich noch nie gehört hatte😀 . Ich war jetzt schon so oft am Baldeneysee, aber bisher meistens am Regattahaus unterhalb der Villa Hügel, letztes Jahr am ehemaligen Förderturm der Zeche Carl Funke oder an der Korte Klippe oberhalb des Sees, aber hier am Motorradtreff war ich ehrlich noch nie (vielleicht mal als Kind, dann kann ich mich aber nicht erinnern). Ich biege von der Bundesstraße 224 ab und die Straße wird schlagartig schmaler, die Schilder mahnen Tempo 30 an und als das letzte Wohnhaus hinter mir liegt, zeigen mir Schilder mit der Aufschrift „Verbot für Motorräder zw. 22.00 und 06.00 Uhr“, daß ich vermutlich auf dem richtigen Weg bin:-) .

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Kurz bevor ich den Schiffsanleger der weißen Flotte erreiche, werde ich links auf einen größeren Parkplatz gelotst. Genau genommen sind es sogar zwei (sinniger Weise benannt in P1 und P2). Nur 100 Meter zu Fuß und ich stehe direkt am Wasser. Wir haben heute den 1. April, die Ausflugsschiffe der „Weißen Flotte“ parken noch etwa 300 Meter entfernt im Winterquartier. Vom Regattaturm bin ich im letzten Jahr fast schon mal bis hierher gelaufen, jetzt gehe ich den umgekehrten Weg. An der weißen Flotte und am Ruhrverband vorbei geht es aber erstmal etwas abseits des Ufers. Ich kehre um und nehme lieber die andere Richtung, denn ich möchte gerne ans Wasser. Trotz Sonnenschein bläst mir ein leicht kühler Wind entgegen. Der Förderturm der Zeche Carl Funke liegt gleich gegenüber.

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Am Schiffsanleger weisen Schilder darauf hin, daß das Füttern der Vögel zu unterlassen wäre. Eine ältere Damen biegt trotzdem mit einer gut gefüllten Brottüte um die Ecke und auch ein Kind sitzt am gesperrten Schiffsanleger und füttert die Enten. Die Mutter ruft den Jüngsten vom gesperrten Anleger weg „Komm her, gleich kommt die Polizei“, was wiederum einen Rentner dazu beflügelt die Mutter zu maßregeln, warum sie denn mit der Polizei drohe. Es entwickelt sich ein kleines Handgemenge, weil die Mutter für sich in Anspruch nimmt, ihrem Kind sagen zu dürfen was sie wolle. Ich zücke mein Handy und bin nahe dran die 110 zu wählen. „Handgemenge am Haus Scheppen und Kind füttert illegal die Vögel“😉 , aber die Situation beruhigt sich wieder.

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Ich ziehe es nun vor in die andere Richtung entlang des Wassers zu laufen und mir nebenbei noch die Endstation des Hespertalbahn anzusehen, die auf einer kleinen Anhöhe, oberhalb der ehemaligen Zeche Pörtingsiepen liegt. Der ausgehängte Fahrplan ist noch von 2015 und damit nicht mehr ganz aktuell. Zwei Drittel des Baldeneysees habe ich in den letzten Jahren schon kennen gelernt, irgendwann muß ich mir mal ein Fahrrad leihen und den gesamten Baldeneysee umrunden. Für heute habe ich jedoch genug gesehen, der Parkplatz hat sich noch weiter gefüllt, ich mache mich wieder auf den Rückweg.

Fotos gibt’s bei Flickr oder GooglePhotos (sollte auch ohne Google Konto funktionieren).

Halde Haniel – 1000 Gedanken im Kopf

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Der Blick ging noch einmal hinter auf den Förderturm der Zeche Prosper Haniel. Kaum zu glauben, irgendwo da unten sind die letzten Bergleute dabei Steinkohle zu fördern. 1960 waren es 146 Zechen, jetzt ist diese Zeche die letzte, welche noch bis 2018 Steinkohle im Ruhrgebiet fördert. Kein Steinwurf entfernt stehe ich am letzten Samstag mal wieder auf der Halde Haniel. Immer wenn ich hoch über dem Ruhrgebiet stehe, gehen mir 1000 Gedanken durch den Kopf. Geht es euch eigentlich auch so, daß ihr da, oder anderswo auf einer Halde, über so viele Dinge nachdenkt? Man lebt in den Tag, in die Woche, hat seine Termine und Verpflichtungen, geht meist früh aus dem Haus und kommt später wieder heim (oder umgekehrt je nach Job) und ehe man sich versehen hat, ist schon wieder ein Jahr rum.

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Nachdem ich euch letzte Woche von der neuen Ausstellung im Gasometer erzählt habe, war ich anschließend noch auf einen Abstecher zur Halde Haniel, an der Stadtgrenze zwischen Oberhausen und Bottrop. Ich mußte unbedingt sehen, was meine zweitliebste und gleichzeitig höchste Halde im Ruhrgebiet so macht:-) . Den Tag davor hatte ich gemieden, denn Karfreitag ist hier immer viel los, wenn die Prozession entlang des Kreuzweges nach oben steigt. Außerdem hatte es an dem Freitag geregnet. Daß am Sonntag, also am Tag nach meinem Besuch, das Osterfeuer hier brennen sollte, war mir hingegen nicht so bewußt. Also war der Samstag genau der richtige Tag, auch wenn die Wege noch ein wenig durchgefeuchtet waren.

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Überhaupt Osterfeuer, ich muß gestehen, daß ich niemals an einem Osterfeuer teilgenommen habe, mir sogar die Tradition bis vor einigen Jahren gar nicht so bewußt war. Hier oben schon mal gar nicht, denn als ich 1990 aus Oberhausen wegzog, gab es die Installationen Holzkreuz (1992) und Totems (2002) auf der Halde noch gar nicht. Während ich also gedankenverloren da stehe, fragt mich jemand „Wo ist denn hier die Arena“ und als Ruhrgebietler (und Nichtfußballfan) dachte ich zuerst er meint Schalke und versuchte Gelsenkirchen zu orten. Erst als er etwas präzisiert und von der Arena auf der Halde spricht, verstehe ich die Frage😀 . Ich weise ihm den Weg zur Berg Arena (auch Amphitheater genannt) und überlege gleichzeitig, wann ich das letzte Mal hier oben war.

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Gefühlt konnte das noch nicht allzulange her sein, man möchte fast sagen „letztens“. Doch Moment, wie lange ist „letztens“ denn tatsächlich her? Beim Blick auf den Blogbeitrag „Halde Haniel“ vom letzten Mal (und die passenden Bilder) fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren von den Augen. Vor fast genau einem Jahr? Na kein Wunder, daß ich dringend mal wieder hoch mußte. Und was soll ich sagen, es war wie immer toll, denn hier oben kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen, sich einfach mal den Kopf durchpusten lassen (was an der höchsten Stelle ganz normal ist) und über das letzte Jahr nachdenken.