5 Jahre Touren durchs Ruhrgebiet und Besuch auf Halde Hoheward

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Noch ist 2014 ja nicht rum, aber wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt toure ich bereits seit 5 Jahren mal kreuz und mal quer durchs Ruhrgebiet. Ich weiß noch genau, wie ich 2010 (man erinnere sich, es war das Jahr der Kulturhauptstadt) mit Hilfe von Reiseführern, verschiedenem Prospektmaterial und Google Maps versucht habe herauszufinden, wo die einzelnen Zechen, Häfen, Brücken und Halden lagen und wie man sie am besten erreichen konnte. Das Ruhrgebiet ist ja meine “alte” Heimat, aber als ich 1989 dort weg und an den Niederrhein gezogen bin, gab’s das Meiste noch garnicht (also zumindest nicht öffentlich zugänglich). Ob ich einen Favoriten habe? Schwer zu sagen.

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Nie vorher war ich in Herne oder Recklinghausen, in Gelsenkirchen ja da war ich mal, weil 1997 die Bundesgartenschau auf dem Gelände der Zeche Nordstern stattfand, aber von Zechen und Halden, da kannte ich nichts. Ich erinnere mich noch wie heute an meinen ersten Besuch auf Halde Hoheward. Damals hatte ich herausgefunden, daß es einen Treppenaufstieg mit irgendwas um die 500 Stufen gab (und immer noch gibt). An der Herner Str. 198 in Herten, gleich neben dem Lokal “Zum Handweiser”, habe ich damals meine Tour begonnen. Erst viel später habe ich den doch etwas bequemeren Aufstieg an der Cranger Straße, auf Höhe der ehemaligen Zeche Recklinghausen (II) entdeckt (zu erkennen an der markannten Drachenbrücke).

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Natürlich gibt’s auch noch die Möglichkeit von der Zeche Ewald aufzusteigen, den Weg bin ich aber bisher nur einmal in umgekehrter Richtung korrekt gelaufen, auf dem Hinweg habe ich mich irgendwie verfranst und bin dann quer Feld ein, aber das ist eine andere Geschichte (klickt mal “hier“). Na jedenfalls ist die Halde Hoheward für mich eine der schönsten Halden im Ruhrgebiet und immer wenn sich ein sommerlicher Tag ergibt und ich die Anreise von rd. 65 km bewältigt habe, spaziere ich dort rauf.

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Das Ruhrgebiet liegt einem dort oben zu Füßen und man kann den Alltagsgeräuschen des Straßenverkehrs dort oben entfliehen. Außerdem gibt es fast immer etwas zu sehen. Und wenn gerade mal nicht, dann sitzt man einfach nur da und denkt an die anderen lohnenswerten Ziele. Es ist, wenn man nicht vor Ort wohnt und wöchentlich dort oben ist, immer so ein bisschen wie zurückkommen an einen bekannten Urlaubsort. Und da letzte Woche so ein sonniger Spätsommertag war, bin ich nochmal “zurückgekommen”. Das einzige was mir noch fehlt ist ein Besuch bei Schnee. Mal sehen, vielleicht diesen Winter.

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Also nicht daß ich mir jetzt Schnee wünsche, aber am Tetraeder war ich auch schon mal bei Schnee oder auf der Brücke am Oberhausener Kaisergarten (Slinky Springs to Fame). Klickt dazu mal hier. Momentan bin ich dabei meine vielen 100 Bilder nochmal auf eine zweite Festplatte zu sichern. Man weiß ja nie, sicher ist sicher. Jetzt aber erstmal ein paar Spätsommerbilder von diesem Ausflug bei Google+ bzw. Flickr … und natürlich hier im Blog … (etwas scrollen, da zeitlich vor dem Grugaparkbesuch).

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P.S.: Die Absperrung des Horizontobservatoriums besteht nun schon so lange, daß die Firma “Hundertmark” mittlerweile eigentlich “Fünfzigeuro” heißen müßte (sorry der mußte sein) ;-).

Halde Hoheward hat Herbst

Knapp 30 Grad, ich bin eingecremt um vor Sonnenbrand geschützt zu sein, auf gings auf die Halde Hoheward. Ihr meint es gab in letzter Zeit keine 30 Grad? Und Recht habt ihr, ich war in Gedanken noch bei meinem letzten Besuch im Juni 2011, der mir vorkommt als wäre er gerade 6 Wochen her. Jetzt, Mitte Oktober 2012 war es immerhin noch knapp 20 Grad und ich habe dieses Mal an der ehemaligen Zeche Recklinghausen geparkt. Ursprünglich wollte ich nochmal zur Zeche Zollern, aber wenn gleichzeitig die A42 zwischen Gelsenkirchen und Herten gesperrt ist und auf der A40 bei Bochum weiterhin das unterste nach oben gegraben wird ist im Ruhrgebiet Stillstand angesagt.

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Also klettere ich mal wieder auf eine meiner Lieblingshalden. Auf zur Drachenbrücke, die ihr ja schon aus den letzten Berichten kennt (WikiWissen: Die Drachenbrücke ist ohne den Drachenkopf 165 Meter lang). Die Bäume haben schon deutliche Herbstfarben angenommen, der Himmel ist noch bewölkt. War nicht Spätsommerwetter vorhergesagt worden? Auf geht’s die Serpentinen sind auch für Ungeübte problemlos begehbar, durchweg gepflastert und führen allenfalls zu leichtem Schweißausbruch :-) . Als gebürtiger Ruhrgebietler, der jetzt am Niederrhein lebt, brauche ich euch sicher nicht darüber aufklären, daß die Halde Hoheward gemeinsam mit der Halde Hoppenbruch die größte Haldenlandschaft des Ruhrgebiets bildet, aber ich kann euch erzählen, daß mir die Halde immer wieder ausgesprochen gut gefällt. (WikiWissen: Während die höchste Stelle mit 152,5 m ü. NN bereits erreicht ist, wird an der Westflanke bis voraussichtlich 2012 weiterhin Bergematerial aufgeschüttet).

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Auf dem Plateau angekommen erlebe ich in Wortfetzen eine Haldenführung, weiter hinten die Modellflugpiloten mit ihren ferngesteuerten Fliegern und am Horizont das immer noch abgestützte Horizontobservatorium. Es ist ja so schade, daß sich da nichts bewegt. Angeblich soll bis Ende 2012 eine Entscheidung über die Schuld des Baumangels fallen (was ja nicht heißt, daß er auch beseitigt wird). In Richtung Westen, war im letzeten Sommer noch einiges abgesperrt, mitlerweile kann man ganz nah ran, an die schwatten Hügel, welche die Halde weiter wachsen lassen. Gleich da unten liegt steht die Zeche Ewald, die ich ja auch beim letzen Mal besucht habe. Wer noch nie hier war, dem kann man kaum vermitteln, daß ein künstlicher Berg so eine Anziehungskraft ausüben kann, aber 150 Millionen Tonnen Material (andere Quellen nennen 180 Millionen Tonnen) wollen erwandert werden.

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Wieder einmal versuche ich den Obelisken zu verstehen und bin froh, daß ich eine Uhr dabei habe, obwohl es ja eigentlich ganz einfach ist, die richtige Uhrzeit vom Boden abzulesen, man muß je nach Jahreszeit nur ein wenig rechnen. Wenn die Außerirdischen jemals bei uns landen, dann bestimmt hier. Ich komme auf jeden Fall wieder her, wie wären denn mal ein paar Bilder im Winter? Na mal sehen, sonst eben wieder sobald das Thermometer auf 30 Grad klettert. P.S.: Wußtet ihr übrigens, daß unter der Halde ein Tunnel der Zechenbahn verlaufen soll, der gebaut wurde bevor die Halde darüber aufgeschüttet wurde. Jetzt wißt ihr es, dieser Tunnel kam sozusagen vor dem Berg :-) .

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Herbstliche Bilder in den Ruhr 2012 Alben … Flickr, Sevenload oder Picasaweb (Google+).

Zeche Ewald + Haldentour

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Auf der Halde Hoheward war ich mitlerweile mindestens zweimal (siehe z.B. hier), aber bisher habe ich stets den Treppenaufstieg gewählt. Dieses Mal sollte es die fotogene Drachenbrücke an der Cranger Straße sein. Von hier an geht der Weg in Serpentinen relativ gemächlich den Hang hinauf bis man schließlich am Obelisken das Plateau erreicht. An diesem Sonnenmontag war ich, neben einigen unverdrossenen Radfahrern so ziemlich der einzige der auf die Idee gekommen ist bei 30 Grad auf eine Halde zu spazieren :-D . Aber ich war ja nicht nur wegen der Halde Hoheward nach Herten gekommen. Das eigentliche Ziel war zum ersten die Zeche Ewald. Während sich das Viertel rund um die Zeche zu einem Industriestandort ausweitet, stehen die Reste der ehemaligen Zeche wie Monumente in der Landschaft. In der großen Halle unter dem Förderturm klafft ein riesengroßes Loch und der Malakowturm hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen (und ähnelt eher einem verfallenen Schloß). Aber das Gelände der Zeche Ewald wird fleißig genutzt. Gerade werden die Reste der Gourmetwoche abgebaut und der RevuePalast Ruhr macht von außen auch einen guten Eindruck.

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Hinter der Zeche geht es gleich ein paar Stufen berauf zu einer Art Balkon am Berg, von dem man einen Überblick über das Zechengelände bekommt und von hieraus kann man auch in Richtung Halde Hoheward oder Halde Hoppenbruch starten. Die Tafel am Aufgang gibt einen recht guten Überblick, trotzdem habe ich es vorgezogen wieder hinunter zu steigen und das Auto mit zur Halde Hoppenbruch zu nehmen. Fünf Autominuten entfernt erwartet mich ein Aufstieg durch bewaldetes Gebiet, so daß es einem vorkommt wie in der hügeligen Eifel. Nach wenigen Minuten kommt bereits die Windkraftanlage in Sichtweite und weißt den Weg, der im oberen Bereich leider etwas arm an Schildern ist. Es ist schon ein komisches Gefühl direkt unter dem sich drehenden Rotor der Windkraftanlage zu stehen. Ein leises *wupp* verkündet den jeweils vorbeidrehenden Flügel. Rund um die Windanlage stehen eine Hand voll Skulpturen, die alle irgendwie mit Wind zu tun haben. Leider schienen eben jene Skulpturen schon etwas in die Jahre gekommen, so daß dieses Haldenplateau trotz schönem Aufstieg nicht zu den schönsten gehört, die ich bisher besucht habe.

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Zum Abschluß ging es dann noch auf die schon erwähnte Halde Hoheward, auch wenn ich dort schon alles wichtige kenne, außer eben die Drachenbrücke. Bilder der Haldentour wie gehabt bei Flickr, Sevenload oder Picasaweb.

Unterwegs im Ruhrgebiet

In den letzten Tagen hatte ich ein wenig Zeit und zum Glück auch gutes Wetter, so daß ich angefangen habe ein bischen durchs Ruhrgebiet zu reisen. Den Start habe ich auf der Halde Schurenbach in Essen gemacht. Wer immer schon mal wissen wollte wie es auf dem Mond aussieht hat hier die beste Gelegenheit dieses Gefühl kennenzulernen. Nach einem Aufstieg über eine lange Treppe erreicht man die Kuppe und alles was man sieht ist die “Bramme für das Ruhrgebiet“.

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Die Bramme (Bramme = Block aus gegossenem Stahl, Aluminium oder Kupfer) für das Ruhrgebiet ist eine minimalistische Skulptur des amerikanischen Künstlers Richard Serra. Die Aussicht von der Halde geht jedoch weit hinein ins Ruhrgebiet. Kokerei Zollverein, Gasometer Oberhausen, Tetraeder Bottrop, VeltinsArena auf Schalke oder Halde Hoheward sind nur einige Punkte die man sehen kann (wenn das Wetter mitspielt).

Danach war ich im Umspannwerk in Recklinghausen und habe mir die Ausstellung “Elektrisierend – Werbung für Strom 1890 – 2010″ angesehen. Man kann dort nachverfolgen wie der elektrische Strom in deutsche Haushalte und Firmen Einzug hielt. Der erste Fernkopierer ist genauso zu sehen wie der erste Videorekorder (beides riesige Kisten), abenteuerliche Firseurutensilien genauso wie der erste Volksempfänger, irrwitzige Bettwärmer (Drahtspiralen, die mit einem Fön erwärmt wurden) und einen Elektrisierer, der für 10 Reichspfennige Strom durch den eigenen Körper schickte, weil es der Gesundheit zuträglich sein sollte (“Ein Weg zu Kraft und Schönheit” :D ).

Eine eigene Abteilung zeigt dann Werbeplakate zum Thema Strom vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die 1930’er Jahre bis in die Neuzeit. In den 30’er und 40’er Jahren schien die Frau bevorzugte Zielperson der Werbung zu sein.

Mutter hat jetzt Zeit für uns, denn Sie kocht elektrisch” oder “Jede Frau ist froh am elektrischen Heißwasserkocher und am elektrischen Herd“.

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Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es dann noch auf die Halde Hoheward (bei Recklinghausen). Diese Halde, an ihrer höchsten Stelle 152 Meter hoch, ist regelrecht touristisch erschlossen, denn Wege führen von verschiedensten Seiten auf die Halde (und das, obwohl die Halde noch aktiv genutzt wird und wächst). Wer es lieber schnell mag, der nimmt den direkten Weg über die Treppen, ich würde sagen gefühlt über 500 Stufen. Dafür lohnt sich der Aufstieg auf jeden Fall. Nicht nur die Aussicht ist berauschend auch das Horizontobservatorium und die Horizontalsonnenuhr ist einmalig (vorausgesetzt die Sonne scheint und die Reparatur des Observatoriums ist abgeschlossen).

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Bilder der beiden Halden gibt’s im Album “Halden im Ruhrgebiet” bei Flickr, Sevenload bzw. Picasaweb oder im Album “Ruhr2010″ (Flickr, Sevenload, Picasaweb).

Im nächsten Blog erzähle ich euch dann von meinem Besuch in der Villa Hügel und warum man in Mülheim einen fahrenden ICE fast mit der Hand berühren kann.