Schiffshebewerk Henrichenburg

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Gestern habe ich mich über die A2 in den Nordosten des Ruhrgebiets aufgemacht. Vorbei an der weithin sichtbaren Halde Hoheward ging es dieses Mal zum Schiffshebewerk Henrichenburg.

Beinahe wäre der imposante Eingang zum Dortmund-Ems Kanal in den 70’er Jahren abgerissen worden, hätte nicht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 1979 beschlossen das technische Denkmal als Standort des Westfälischen Industriemuseums (heute LWL-Industriemuseum) wieder aufzubauen. Pünktlich um kurz vor 10.00 war ich dort und durfte dank RuhrTopCard auch gleich hinein.

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Am 11. August 1899 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht, konnte das Hebewerk seinerzeit 3600 Tonnen in die Höhe heben einzig und alleine durch fünf zylindrischen Schwimmer, die in 33 Meter tiefe, wassergefüllte Brunnen eintauchten. Der Auftrieb und ein relativ kleiner elektrischer Motor, mit etwa 110 kW, zum Überwinden der Reibungswiderstände, reichte aus, um den Trog aufwärts oder abwärts in Bewegung zu setzen. Man darf nicht vergessen, daß diese Ingenieursleistung um 1895 zu Stande gekommen ist, also lange bevor es Computer oder Taschenrechner gab.

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Und warum überhaupt ein Schiffshebewerk und keine Schleuse? Weil im Umfeld dieser Hebeanlage kein “echter” Fluß in der Nähe war, um den Dortmund-Ems-Kanal wieder aufzufüllen, denn eine Schleuse hat einen hohen Wasserverlust. Pumpen waren 1899 nicht leistungsstark genug die 14 Meter Höhenunterschied wieder mit Wasser auszugleichen. Wer schwindelfrei ist, kann sogar die Türme über mehr als 130 Treppenstufen besteigen und sich anschließend das Hebewerk von oben ansehen.

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Der Schleusenpark ist im Laufe der Jahre gewachsen, so daß mittlerweile zwei Hebewerke, das von 1899 und das von 1962 dort zu finden sind ebenso wie zwei Sparschleusen. Die neueren Modelle dieser Schleusen speichern einen Großteil des Wassers zwischen, so daß der Wasserverlust nicht mehr so groß ist. Außerdem unterstützen Pumpen heute beim Wasserausgleich zw. Unter- und Oberwasser. Zur Zeit ist nur noch die neueste Schleuse in Betrieb, das erste Modell der Sparschleuse wurde im Schleusenbereich geöffnet und kann nun wie eine Art Tunnel durchlaufen bzw. mit dem Fahrrad durchfahren werden.

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2 Kommentare zu “Schiffshebewerk Henrichenburg

  1. beate sagt:

    man ist sich garnicht darüber bewusst, was es für schöne bauwerke in deutschland gibt.
    dieses ab zureissen wäre eine schande gewesen und ehrlich gesagt kannte ich es garnicht.
    bis jetzt :)
    sehr schöner beitrag, danke!

    grüße beate

    • eichental sagt:

      Hätte ich nicht die RuhrTopCard für dieses Jahr gekauft, ich wäre vermutlich auch nie hingekommen. Industriegeschichte kann ganz schön spannend sein :-) .

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